Resilienz

Resilienz ist die Fähigkeiten mit Widrigkeiten umzugehen und aus ihnen zu lernen

Widerstand versus Versagen

Der Be­griff der Re­si­lienz kommt aus der Physik und be­zeich­net die Ei­gen­schaft eines Systems in seinen ur­sprüng­lichen Zu­stand zu­rück­zu­keh­ren.
So ist zum Bei­spiel eine Spiral­feder re­si­lient, weil sie nach Ver­for­mung (Deh­nung, Quet­schung …) in ihre ur­sprüng­liche Form zu­rück­kehrt.

In der Psycho­logie bedeu­tet Resilienz: die Fähigkeit, erfolgreich mit belastenden Situationen umzugehen (Quelle: resilient.de) und gestärkt aus einem schwierigen Ereignis hervorzugehen.

Ihr Gegenstück­ ist die Vulnerabilität, die das Feh­len die­ser Fähig­keit be­schreibt.

Meine Definition, die auch Grundlage meiner Arbeit ist, lautet:

Definition der Resilienz

Resilienz be­schreibt den Be­stand an Stra­te­gien und Ver­hal­tens­mustern, die dem In­di­vi­duum bzw. einer Grup­pe er­lau­ben mit (un­vor­her­ge­se­he­nen) Ge­fähr­dun­gen um­zu­ge­hen und aus de­ren Er­le­ben (Er­fah­ren) neue an­ge­mes­sene Be­wäl­ti­gungs­stra­te­gien und Ver­hal­tens­wei­sen zu ent­wickeln.

Resilienz und Vulnerabilität

Beides sind keine feststehenden Größen, die jeden Menschen umfassend und dauerhaft beschreiben, wie z. B. Kör­per­größe oder Au­gen­far­be. Sie be­schrei­ben Ent­wick­lungs­pro­zes­se und un­ter­schei­den sich je nach be­ob­ach­te­ten Tei­len des Le­bens. Sie schwan­ken im Lauf des Le­bens zum Teil dra­ma­tisch.

Resilienz kann in Vul­nera­bi­li­tät um­schla­gen, wie um­ge­kehrt. Re­si­lienz und Vul­nera­bi­li­tät sind ge­ne­tisch prä­dis­po­niert (an­ge­legt), ihre tat­säch­li­che Aus­prä­gung hängt aber von den in­di­vi­du­el­len Le­bens­um­stän­den ab. Sie sind Er­geb­nis von Lern­pro­zes­sen und können ge- und ver­lernt wer­den.
Grund­la­ge bei­der Ei­gen­schaf­ten sind die Le­bens­ein­stel­lung und vor­han­de­ne Glau­bens­sätze.

Individualresilienz

Niedrige Resilienz – hohe Vulnerabilität

Bei nicht aus­rei­chen­der Re­si­lienz ei­nes Men­schen kommt es zu den ty­pi­schen An­zei­chen chro­ni­scher (men­taler, psy­chi­scher) Er­schöp­fung: ge­häuf­te In­fek­te, Ab­ge­schla­gen­heit, Lust­lo­sig­keit, De­pres­sion … bis hin zum Burn-out. Im Fal­le einer Trau­ma­ti­sie­rung er­lei­den Men­schen mit nie­dri­ger Re­si­lienz häu­fi­ger ein post­trau­ma­tisches Be­lastungs­syn­drom (PTBS).

Hohe Resilienz – niedrige Vulnerabilität

 Eine hohe Re­si­lienz be­deu­tet eine ho­he Hand­lungs­kom­pe­tenz in schwie­ri­gen Si­tu­atio­nen. Men­schen mit einer ho­hen Re­si­lienz zeich­nen sich durch Ge­las­sen­heit aus. Sie sind meist „Steh­auf­männ­chen“.
Die­se Men­schen er­le­ben Be­las­tun­gen als He­raus­for­derung und ste­hen Stress po­si­tiv ge­gen­über.
Sie sind auch in Zei­ten des Chaos und der Krise kre­ativ und fle­xibel.
Men­schen mit einer ho­hen Re­si­lienz sind in der Re­gel selbst­be­wusst und ha­ben einen ho­hen Selbst­wert.

Gruppenresilienz

Niedrige Resilienz – hohe Vulnerabilität

Im Fall einer nicht ausreichenden Re­si­lienz einer Grup­pe kommt es zum Zer­fall der Grup­pe oder einer Ab­kap­se­lung nach außen, im Sin­ne des „wir und die an­deren“. Eine Grup­pe mit nie­dri­ger Re­si­lienz zeich­net sich durch ge­rin­ge oder feh­len­de To­le­ranz ge­gen­über an­de­ren Grup­pen aus. Fa­na­ti­sche Grup­pen sind Bei­spie­le nie­dri­ger Grup­pen­re­si­li­enz.

Hohe Resilienz – niedrige Vulnerabilität

Gruppen mit hoher Re­si­li­enz sind im All­ge­mei­nen li­be­ral und to­ler­ant.  Sie zeich­nen sich durch Sta­bi­li­tät und Of­fen­heit an­de­ren Grup­pen ge­gen­über aus.